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In der Festzeitschrift zum 25-jährigen Jubiläum wurde eine sehr interessante Chronik über unseren Verein geschrieben, welche wir hier veröffentlichen möchten.

Der Gedanke des Schrebergartens geht auch in Hamburg bis Anfang dieses Jahrhundert zurück. Zur Verbesserung ihrer eigenen Versorgung wurde den Städtern Grabeland zur Verfügung gestellt. Sie bauten darauf hauptsächlich Gemüse, Obst und Kartoffeln an. Nach der Zerstörung der Wohnungen im zweiten Weltkrieg hatten dann viele die Möglichkeit, auf ihrem Schrebergarten behelfsmäßig unterzukommen. Der teilweise aufgelockerte Wiederaufbau der Wohngebiete und deren Nutzungsänderungen in Gewerbeflächen brachte es mit sich, dass nicht alle Bombengeschädigten in ihre ehemaligen Wohnbezirke zurückkehren konnten. Hierzu kam, dass auch viele Flüchtlinge untergebracht werden mussten.

Die behelfsmäßig in Schrebergärten untergekommenen Mitbürger mussten ebenfalls wieder feste Wohnungen bekommen. Darum dehnte sich der Wohnungsbau in die damaligen Außenbezirke aus und belegte bisher landwirtschaftlich bzw. kleingärtnerisch genutzte Flächen. Zum Ausgleich wurden dann neue Flächen für Kleingärten zur Verfügung gestellt und in den Bebauungsplänen mit entsprechender Nutzung ausgewiesen. Unser Vereinsgelände liegt nach dem Baustufenplan Farmsen in der Fassung vom 20.5.1955 im Landschaftsschutzgebiet mit der Nutzung als Dauerkleingärten.

Inzwischen fand ein Strukturwandel vom Nutzgarten zum "Ziergarten" statt. Es ist kein Zufall, dass unser Gelände erst so spät vom Bezirksamt zur Vergabe an Kleingärtner hergerichtet wurde.

Etliche unserer Gartenfreunde kennen dieses Gebiet aus ihrer Jugendzeit. Jeder hat aus seiner Erinnerung eine andere Darstellung. Aber eines erzählen alle gemeinsam: Es war eine moorige Gegend, in der nach dem 2. Weltkrieg noch Torf zum Heizen abgebaut wurde. Ein alter Farmsener berichtet aus seiner Sicht darüber.


Der Farmsener Rektor Heinz Böe wohnte Tegelweg Nr. 105, war also direkter Nachbar und hat in seinem Buch "Farmsen - Berne einst und jetzt" auf Seite 109 folgendes beschrieben:

Da dieses Feldstück seit alter Zeit von zwei stark fließenden Quellflüssen und vielen Gräben durchzogen ist und weil die beiden zur Osterbek fließenden Bäche gleichzeitig das Oberflächenwasser der östlich vom Tegelweg gelegenen Wohngebiete aufnehmen müssen, war es ganz besonders schwierig, diese nassen, größtenteils sumpfigen Wiesen so weit vorzubereiten, daß die Kleingärtner den Mut aufbringen würden, hier die ihnen zugewiesenen Parzellen zu kultivieren und ihre Sommershäuschen aufzubauen.

 

Zunächst ließ das Gartenbauamt planmäßig das bisherige Entwässserungssystem verändern. Dann wurde ein ganzes Jahr lang täglich Boden herangefahren und das Gelände um etwa einen Meter erhöht. Nach der Vermessung wurden die Gartenwege angelegt, die etwa 200 Gartenparzellen eingefriedigt, Trinkwasserleitung gebaut und für je zwei Nachbargärten eine gemeinsame Zapfstelle geschaffen. Da die Kleingartenpächter nicht mehr, wie vor 40 bis 50 Jahren, mit Fahrrädern und Handziehwagen, sondern mit ihrem Auto nach ihrem Garten fahren, sind für diesen modernen Kleingartenpark drei gepflasterte Parkplätze gebaut worden.

 

Um diesem Teilgebiet des Farmsener Moores von vorherein den Charakter eines Parks zu geben, hat das Gartenbauamt überall an den Gartenwegen und verschiedenen passenden Stellen Bäume und Sträucher pflanzen lassen. Auch Bänke zum Ausruhen für Erholungssuchende Spaziergänger sind aufgestellt worden. Nur hätte man auch hier, wie in den anderen Kleingartenanlagen des Farmsener Moores, einen größeren Entwässerungsteich ausbaggern müssen. Das wäre wegen mehrerer ziemlich starker Quellen auf den Grundstücken Tegelweg 105 bis 131 dringend nötig und ebenso für die Kleingartenparzellen dahinter sehr zweckmäßig, gleichzeitig aber auch eine Zierde des Kleingartenparks gewesen.


Im Frühjahr 1968 wurde dann durch den Landesbund mit der Vergabe der ersten Parzellen begonnen, erst im Sommer 1969 fand die letzte Parzelle ihren Interessenten. Am 16.Mai 1968 fand die Gründungsversammlung statt und somit entstand unser "Kleingartenverein Moorschreber" e.V. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte am 21.8.1968.

Mit großem Elan gingen unsere Gartenfreunde an die Arbeit. Es wurden Wege angelegt, Fundamente für die Lauben vorbereitet, das Land urbar gemacht, Rasen gesät, Blumen, Sträucher und Büsche gepflanzt. Bei diesen Arbeiten kam die Vergangenheit unseres Geländes zum Vorschein. Es war dort allerhand Unrat wild abgeladen worden. Jetzt behinderten Autoreifen, Stoßstangen, ausgediente Herde, Kinderwagen, Fahrräder usw. die Arbeiten und mussten von den Gartenfreunden entfernt werden. Hinzu kamen noch die alten Moorwege, die durch Mauerbrocken und Feldsteine passierbar gemacht worden waren, aber jetzt in etlichen Parzellen die Gartenarbeiten behinderten. Die nächste Schwierigkeit zeigte sich nach starken Regenfällen. Das geringe natürliche Gefälle des Geländes ließ das Oberflächenwasser nicht recht abfließen. So ähnelte manche Parzelle eher einem Teich, als einem Kleingarten. Daher mussten viele Gärten nachträglich, mit Unterstützung durch die Gartenbauabteilung, noch drainiert werden. Dabei zeigte sich, dass die von Böe erwähnte Erhöhung des Geländes um ca. 1 m längst nicht überall erreicht wurde, denn die wasserundurchlässige Schicht liegt teilweise nur eine Spatentiefe unter der Geländeoberfläche.

Aber durch all diese Schwierigkeiten haben sich unsere Gartenfreunde nicht entmutigen lassen. Sie haben im Laufe der Jahre aus sauren Wiesen zauberhafte Gärten entstehen lassen, die der Bezeichnung Kleingartenpark, wie in den Stadtplänen ausgewiesen, alle Ehre machen.

Der Eifer unserer Gartenfreunde in den Gärten und bei der Gemeinschaftsarbeit brachte auch Anerkennung durch den Landesbund und die Hansestadt Hamburg. Durch Teilnahme an mehreren Wettbewerben erhielt der Verein im Laufe der Jahre vier Auszeichnungen

  • 1972 den 2.Platz in der Wertung der Neuanlagen
  • 1974 eine Urkunde für besondere Verdienste im Kleingartenwettbewerb
  • 1976 eine Urkunde für hervorragende Gestaltung seiner Anlagen und
  • 1980 einen Wandteller.

Auf der Mitgliederversammlung am 4.10.1968 wurde der Bau eines Vereinshauses beschlossen. Gartenfreund Paul Schacht übernahm die Planung und Bauleitung. Die Kosten für die erforderlichen Baumaterialien sollten durch eine Umlage auf alle Mitglieder verteilt werden. Es wurde ein Betrag von DM 25,-- jährlich für 3 Jahre bestimmt. Die Handwerksstunden sollten in Gemeinschaftsarbeit geleistet werden. Die Mitgliederversammlung beschloss am 5.2.1971 die Umlage von DM 25,-- nochmals für weitere 3 Jahre zu erheben.

Die Planung des Vereinshauses und die Einholung aller Genehmigungen nahm doch sehr viel Zeit in Anspruch. So konnte erst 1971 mit dem Bau begonnen werden. Es wurde hauptsächlich am Wochenende gearbeitet. Jeder hat entsprechend seinen Fähigkeiten mitgeholfen und mancher Schweißtropfen ist in das Haus hineingebaut worden. 1972 war es dann soweit, dass gerichtet werden konnte.

Nun begann der Innenausbau. Auch er dauerte seine Zeit, weil die Gartenfreunde nur ihre Freizeit zu Verfügung hatten, um den Bau fertigzustellen. Die wachsame und straffe Führung seitens der Bauleitung schaffte es, den Bau unfallfrei zu vollenden. Dank der Mithilfe aller Vereinsmitglieder ist es gelungen, keinen einzigen Pfennig für Fremdarbeiten auszugeben. Leider stellte sich heraus, dass die Kostenplanung doch nicht ganz ausreichte. So wurden weitere Umlagen erforderlich. Die Mitgliederversammlungen beschlossen am 10.3.1972 DM 110,-- und am 29. 6.1973 DM 25,-- jeweils einmalige Zahlungen. Nachdem die Ölheizung installiert, die Kücheneinrichtung und das Gestühl für den Saal gekauft waren, konnte dann endlich das Vereinshaus am 15.2.1974 mit einer Mitgliederversammlung in Betrieb genommen werden. Zwecks Ablösung des einzigen Darlehens (Beschaffung des Gestühls) beschloss die Mitgliederversammlung am 14.11.1975 eine Sonderumlage von DM 50,--

Am Vereinshaus wurden im Laufe der Jahre etliche Ergänzungen und Verbesserungen vorgenommen. Im Herbst 1974 wurde eine Lüftung eingebaut. Im Vorraum entstand eine Sektbar. Die Heizung wurde 1985 vom Ölbetrieb auf automatische Gasheizung umgerüstet.

Weil sich im Laufe der Jahre immer mehr Gartenfreunde Chemietoiletten zulegten, wurde ihnen die Entsorgung durch den Einbau einer Entsorgungsstation im Vereinshaus erleichtert.

Der Saal wurde 1991 durch Deckenvertäfelung verschönert. Gleichzeitig wurde die Beleuchtung durch einzelschaltbare Energiesparlampen wesentlich verbessert. Die Küche wurde 1992/93 umgestaltet und erhielt ein völlig neues und besseres Aussehen. Die Kosten aller Verbesserungen konnten aus Überschüssen durch Vermietungen des Vereinshauses an Fremde und Mitglieder, der Vereinsfeste und durch die laufenden Umlagen gedeckt werden. Die Ausführung der Arbeiten übernahmen unsere Gartenfreunde in ihrer Freizeit.

Das Vereinsleben hatte sich zunächst auf ein Fest, jeweils im Anschluss an die jährlich stattfindende Mitgliederversammlung und das Kinderfest im Sommer, beschränkt. Dies änderte sich nun.


Nach Inbetriebnahme des Vereinshauses ist dann sonntags (zeitweilig auch sonnabends) von 10.00 bis 12.00 Uhr ein Frühschoppen eingerichtet worden. Während dieser Zeit hält auch der Vorstand seine Sprechstunde ab. Den Getränkeverkauf übernahmen Gartenfreunde unter Anrechnung ihrer Zeit auf die Gemeinschaftsarbeit.

Jährlich finden sich am Buß- und Bettag Gruppen zum Skat- und Romméspielen zusammen. Jeder Spieler bekommt bei uns einen Preis. Gartenfreunde, die am Kartenspielen keinen Spaß haben, können dann bei Kaffee und Kuchen zum Klönen zusammensitzen. Der Tanz in den Mai ist Tradition geworden. Er wird seit 1976 veranstaltet und erfreut sich großer Beliebtheit. Jedes Jahr findet im Sommer ein Kinderfest statt. Zum Festumzug durch das Vereinsgelände mit Musikzug schmücken die Kinder Ziehwagen, Kinderkarren, Fahrräder usw., für die drei Besten werden Preise verteilt. Außerdem sind verschiedene Spiele aufgebaut. Diese betätigen die Kinder nacheinander mit unterschiedlichem Erfolg und erhalten dafür kleinere Schleckereien.

Die Vereinsjubiläen, 10 Jahre, 15 Jahre und 20 Jahre wurden anschließend an die Kinderfeste mit Tanz im Vereinshaus begangen. Seit 1979 wird jährlich eine Kinderweihnachtsfeier durchgeführt. Mehr oder weniger ängstlich sagen die Kinder ihre Gedichte auf, bevor ihnen der Weihnachtsmann mit ein paar ermutigenden Worten die Geschenke überreicht. Es ist auch für die Erwachsenen ein schönes Erlebnis, die leuchtenden Kinderaugen zu sehen. Bei diesem Fest ist wegen des großen Interesses das Vereinshaus fast zu klein. Anlass der ersten Kinderweihnachtsfeier war eine größere Spende. Seitdem wird es, ebenso wie das Kinderfest im Sommer, durch eine Umlage und Spenden, die beim Frühschoppen und unseren Vereinsfesten gegeben werden, finanziert.

Das "Schinkenessen" am Himmelfahrtstag wurde nach langer Unterbrechung in den letzten beiden Jahren wieder ein großer Erfolg. Ebenso gut besucht wurden die seit Sommer 1989 wieder eingeführten Grillfeste.

Der verschiedentlich veranstaltete Herbstball wurde 1989 zuletzt angesetzt. Aber wegen geringer Beteiligung nicht mehr ins Programm aufgenommen.


Am 18.9.1976 ist die Elektrogemeinschaft gegründet worden. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10.2.1977 wurde beschlossen, die Elektroinstallation in Auftrag zu geben. Von April bis August 1977 wurden diese Arbeiten durch die Firma Dröger ausgeführt. Die Ausschachtungsarbeiten auf den Parzellen wurden von den Mitgliedern selber erbracht. An der Elektrogemeinschaft beteiligten sich zunächst 168 Mitglieder durch Bezahlung des Einrichtungsbetrages. Inzwischen haben wir 198 Strombezieher.

Für die Einrichtung des im südlichen Teil des Vereinsgeländes vorgesehenen Spielplatzes hatten die Moorschreber leider nicht genügend Mittel. Durch Verhandlungen mit dem Bezirksamt Wandsbek konnte erreicht werden, dass die Spielgeräte von der Stadt zur Verfügung gestellt wurden. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tegelweges ist eine Behindertenschule. Diese Behinderten sind dankbar, dass sie den Spielplatz mit benutzen können.

Leider haben immer wieder Rowdys ihre Spuren im Gelände hinterlassen. Nicht nur Gartenpforten und Zäune wurden beschädigt, sondern auch Lauben aufgebrochen und einige in Brand gesteckt. Sogar das Vereinshaus wurde mehrfach heimgesucht. Die angerichteten Schäden waren immer größer als das, was an vermeintlich Brauchbarem mitgenommen wurde.

Eines Tages wurde bemerkt, dass Fixer auf dem Spielpatz ihre Utensilien hinterlassen hatten. Auf Drängen des Vorstandes hat die Gartenbauabteilung daraufhin ganz kurzfristig die Büsche stark ausgeholzt, so dass der Spielplatz wieder gut einsehbar wurde.


Es sind von vielen Gartenfreunden erhebliche Stunden ihrer Freizeit für den Verein geopfert worden. Die einen haben mehr im Stillen gearbeitet, bei anderen war es offensichtlicher. Damit sich keiner ungerecht behandelt oder zurückgesetzt fühlt, wurde im Vorstand beschlossen, keine Namen in der Chronik zu erwähnen. Trotzdem gebührt allen, die sich für den Verein zur Verfügung gestellt haben, die vielfältigen und manchmal schwierigen Arbeiten zu erledigen, ein ganz besonderes Dankeschön. Auch den Ehefrauen gebührt Dank, denn ohne ihr Verständnis für die Belange des Vereins wäre bestimmt vieles nicht gelungen.

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